Jo Nesbø: Der SohnDie besten Krimis sind jene, bei welchen man am Ende nicht mehr weiß, was oder wer gut oder böse ist. In seinem neuesten Werk „Der Sohn“ stellt der norwegische Autor Jo Nesbø unsere Moralvorstellungen derart auf den Kopf, dass wir schon nach wenigen Seiten hoffen, dass der Mörder niemals erwischt werden möge.

Sonny ist ein junger, drogenabhängiger Mann; er sitzt seit zwölf Jahren im Gefängnis – für Morde, die er nie begangen hat. Er will der Welt entfliehen – durch Drogen und durch das Eingesperrtsein. Denn: Sein Vater, ein angesehener Polizist beging Selbstmord. Sonny, bis dahin im Glauben sein Vater sei korrupt gewesen und habe sich deshalb das Leben genommen, erfährt von Mitgefangenen, dass die Geschichte um seinen Vater damals ganz anders ablief.

Er, ein hochintelligenter und sensibler Mann, entkommt aus dem Hochsicherheitsgefängnis und übt Rache an einem korrupten System.

Von Beginn an mutet die Geschichte biblisch an. Autor Nesbø selbst erklärt, dass ihn das Alte Testament inspiriert habe. Es geht um eine Vater- und Sohn-Geschichte, um Moral, um Gut und Böse. Kommissar Simon Kefas ermittelt, er ist keineswegs Gegenspieler von Sonny, sondern ist von Beginn an persönlich in die Geschichte involviert: er war der beste Freund von Sonnys Vater.

Nesbø hält von der ersten bis zur letzen Seite die Spannung, gleichzeitig arbeitet er die Figuren gut aus und schreibt einfühlsam und kreiert eine melancholische Stimmung. Ein großartiger Krimi!

ISBN 978-3-550-08044-9 | € 22,99